26
Jun
2013

Tag 8 Hauptsache beschäftigt

Tag 2 in der Werkstatt. Wieder feilen was das Zeug hält. Konkret bedeutet das: Plastikscheibe mit Metallfeile bearbeiten um daraus möglichst eine Lehre und Gegenlehre zu produzieren. Ich kann so nicht arbeiten. Alles völlig unprofessionell. Dafür ist das Ergebnis dann doch in Ordnung. O.k., nen großer Wurf war das jetzt nicht, gebe ich gerne zu, aber dafür dass ich das das erste Mal gemacht habe und kein vernünftiges Werkzeug zur Verfügung hatte, bingo. Der Werkstattfuzzi, der bisher eher durch Langsamkeit, Inkompetenz und fehlende Erklärungen glänzte meint dazu trocken: "Naja, das ist noch sehr verbesserungswürdig". Erstmal besser machen du Vogel. Aber bloß nicht ausflippen.

Lieber zur nächsten Aufgabe weiter gehen. Aus einem Harzrechteck eine runde Scheibe machen die in eine vorgegebene Form passt. Diesmal gibts sogar ne Erläuterung wie das geht. Abmessen, Anreißen, Anbohren, Zirkeln, Sägen. An der Bohrmaschine werde ich zum gefühlt 100. Mal darauf hingewiesen, mit meiner üppigen Haarpracht (O-Ton: Haarlocke) nicht zu nah an die Maschine zu kommen. Wichtig, reicht mir doch meine Wallemähne bis zum Boden und hängt lose und unkontrolliert nach vorne. Dann kommt die Einweisung zum raffinierten Sägen. Wie mache ich aus einem Quadrat einen Kreis. Das Runde muss aus dem Eckigen. Vorschlag: immer erst die Ecken absägen. Und dann die neuentstandenen Ecken wieder absägen. Ich habe es dann doch tatsächlich gewagt zu fragen, was gegen ein rundes Aussägen spricht. Ich und meine verrückten Ideen. Darauf fiel dem Leiter mit der langen Leitung auch nichts mehr ein. Wieso auch. Ist ja nicht seine Aufgabe Ahnung zu haben, auf Zack zu sein oder ähnliches. Dafür wird er nicht bezahlt. Sondern offenbar für seine pure Existenz. Schön dass es mich gibt und so. Naja, dann mach ich eben mein Ding und fertig ist die Laube. Im Nebenraum ist gerade eine sehr ernsthafte Diskussion darüber losgetreten, für welches Land das Endungskürzel .org steht. z.B. bei Wikipedia.org. Georgien vielleicht, meint einer. Ohne Worte. No brain no pain.

Aber bevor ich mich aufrege ist der Tag schon wieder um 14:00 vorbei. Die Angestellten habe nen Meeting wegen der Insolvenz. Soll laut Kuschelpädagogin auch ne Powerpoint Präsentation geben, wie aufregend. Es werden neue Konzepte für die Zukunft präsentiert, wie die hier sinnvoll weiterarbeiten können. Eigentlich schon ne Farce an sich. Denn wer arbeitet denn hier schon. Der Werkstattheini liest den ganzen Tag Zeitung, die Kuschelpädagogin schleicht durch die Gänge und die andere Arbeitsleiterin bringt ihren Tag mit Kaffee und Zigarettenpausen rum. Sinn und Unsinn und so. Passend zu diesem Stichwort werden just 50 neue Bürostühle in den Raum gebracht. Was mache ich als erstes wenn ich insolvent bin? Richtig, weiter Geld ausgeben. Ich habe fertig (für heute).
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Berufsfindung oder der Weg zur geistigen Schwerelosigkeit

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