4
Jul
2013

Tag 14 Es grüßt die Ineffizienz

So, vorletzter Tag. Ich schwinge meine müden Knochen erneut in die Anstalt um wieder im Tal der Trantüten, Ahnungslosen und Gehirnlosen zu verschwinden. Leider sind heute Morgen schon alle Schließfächer beim Pförtner belegt, so dass ich mein Hirn leider nicht dort abgeben konnte. Also muss ich da wohl wachen und örtlich orientierten Zustandes durch.

Morgenrunde. Wies uns denn so geht. Ob wir Fragen haben? Ja, wann kann ich endlich wieder zurück ins normale Leben. Auf Werkstatt habe ich heute keine Lust, also setze ich mich gleich an den Rechner und surfe im Internet. Schließlich findet sich das neue Dirndl fürs Oktoberfest ja nicht von alleine und in den Urlaub möchte ich auch noch mal. Zeit sinnvoll nutzen.

Dann das vorläufige Abschlussgespräch mit dem Psychologen. Endlich meine Chance hier schon mal den ersten Unmut abzulassen. Lasse ich dann auch. Allerdings fördert die Unterhaltung auch noch Unangenehmes zu Tage. Anscheinend ist die Ärztin der Meinung, ich könne zwar Augenoptikerin werden, aber nicht Zahntechnikerin. Und das mit dem Hintergrund der gleichen Erkrankung meiner Hände. Verstehe das wer will, ich nicht. Gehe ich auch nicht mit d'accord. Wie kommt eine Ärztin, die mich lediglich ne halbe Stunde gesehen hat und nur durch unstrukturiertes Vorgehen und Fragen nach meiner Kindheit "glänzte" dazu, eine derartige Beurteilung über mich abzugeben. Hochgradig unseriös. Und unseriös mag ich nicht. Muss ich wohl wieder alles alleine machen. Fazit des Tages: Mach's dir selbst.

Tag 13 Ich dreh am Rad

Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bei der Ankunft in meiner kleinen heimeligen Werkstatt heute habe ich die Qual der Wahl. Federdraht biegen oder nen Fahrrad bespannen. Da ich mit dem Draht auf Kriegsfuss stehe, nehme ich lieber das Rad. Bin ich wenigstens beschäftigt. Alle Speichen raus, und wieder zusammensetzen. Und ausrichten. Strukturiertes Arbeiten, genau mein Fall.

Um 10 dann der nächste Programmpunkt. Die Integrationsbeauftragte stellt mit i plus vor. Bisher kannte ich bloß e plus. Integrationsmaßnahme. Worin soll ich denn integriert werden. In die Gesellschaft. In die Anstalt. Mir schwant Böses. Und Tatsache, es ist natürlich nicht das Richtige für mich. Die ersten zwei Wochen verbringt man dann nämlich wieder in diesem Auffangbecken der geistig minderbemittelten und Hilfesuchenden. Erstmal testen. Medizinisch. Psychologisch. Arbeitspädagogisch. Und nein, das ist überhaupt nicht redundant. Dann geht es 8 Wochen lang ans Eingemachte. Arbeiten am PC, es wird mit WORD angefangen. Völlig verrückte Sache. Word, ich habe Angst. Danach sucht man sich dann eigenständig nen Praktikumsplatz und mit viel Glück und wenig Verstand übernehmen die einen dann in den kommenden 10 Monaten. Wenn nicht (die meiner Meinung nach wahrscheinlichere Variante, bin halt nen pessimistischer Realist), dann ist man halt arbeitslos. Und hat keinen Anspruch mehr auf irgendwas. Tolle Wurst. „Ist das eine Option für Sie“. Auf gar keinen Fall. Danke fürs Gespräch. Und dafür das wieder ein Fragebogen unnütz ausgefüllt und anschließend vernichtet wurde. Wieder ne halbe Stunde meiner kostbaren Lebenszeit verschwendet. Naja, hab ja hoffentlich noch nen paar Jahre vor mir.

Dann lieber wieder am Rad schrauben. Vielleicht wird aus mir doch noch nen Zweiradmechaniker. Mir stehe die Welt offen sagt der Werkstattleiter. Ja dann, werde ich genau diese ab nächster Woche wieder erobern.
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Berufsfindung oder der Weg zur geistigen Schwerelosigkeit

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